Mike Shinoda – Post Traumatic

Von am 17. Juni 2018

ALBUM der WOCHE KW 25/2018

Nach dem Freitod von Chester Bennington hat sein Linkin Park-Bandkollege Mike Shinoda sich in der Kunst vergraben. Der 41-Jährige begann zunächst in seinem Haus in Los Angeles zu malen, aber auch an Songs zu schreiben und aufzunehmen. Die ersten Ergebnisse wurden im Januar 2018 auf der EP „Post Traumatic“ veröffentlicht. Denselben Titel trägt nun auch sein Solo-Album. Shinoda sagt, dass Benningtons Depressionen zwar kein Geheimnis waren, doch sein Tod kam trotzdem überraschend.

Shinoda bewegt sich auf seinem Solowerk zwischen Rap, Rock, Pop und elektronischen Sounds. Die Texte, die Shinoda geschrieben hat, darf man getrost als Trauerbewältigung verstehen. Schonungslos offen setzt sich der Musiker mit seinen Gefühlen, mit Trauer, Resignation aber auch mit Wut auseinander. Dabei trägt er all diese Gefühle ganz bewusst in die Öffentlichkeit: Weil sich in unserer Gesellschaft etwas ändern muss!

Mike Shinoda gab in Interviews offen zu, so etwas noch nie zuvor erlebt zu haben. Es gab für ihn daher keine Vorlage, keinen offensichtlichen Weg, wie er damit umgehen sollte. Er habe ein Buch darüber gelesen, viel im Internet gelesen, mit Freunden gesprochen und Mentoren um Rat gefragt. Während dieser ganzen Zeit schrieb er an den Songs und nahm sie auf. Musik sei schon immer das Instrument für ihn gewesen, um schwierige Situationen zu bewältigen, so Shinoda. Die ersten Songs seien noch sehr düster und autobiografisch gewesen, aber irgendwann seien sie heller geworden.

Er sei sehr stolz auf das Album, nicht nur wegen der Texte, sondern auch auf das handwerkliche Können hinter den Songs. Von der Aufnahme über die Produktion bis zu ergänzenden Visuals, Shinoda hat alles im Alleingang gemeistert. Genau deshalb sei es eben auch ein sehr persönliches Album geworden. Bei einer Handvoll Songs sind Kollaborateure zu hören, Leute, die Shinoda gut kennt, und die auch Chester kannten, mit denen Linkin Park zuvor schon gearbeitet haben. Er wollte sicherstellen, dass die Leute, die er ins Boot holt, zu dem Thema des Albums einen persönlichen Bezug haben. Auch sie singen in den Songs offen über Ihre Gefühle. So sind in dem Song „Place To Start“ sogar Beileidsbekundungen zu hören, die Freunde Ihnen auf die Mailbox gesprochen haben. Dazu sagt Shinoda: „Ich dachte, indem ich offen kommuniziere, schaffe ich vielleicht etwas, dass uns allen Halt gibt. Ich merke schon jetzt, dass das über die Linkin-Park-Fanbasis hinausgeht. Die Tatsache, dass ich diese Dinge in meinen Songs thematisiere, bringt andere Leute vielleicht dazu, selbst über ihre Gedanken und Gefühle zu sprechen“. Man kann Mike Shinoda eigentlich nur dankbar sein, dass er dieses Album mit uns teilt. Wer je einen Menschen verloren hat, wird sich selbst in vielen Gefühlen und Emotionen, die dieses Album umgibt, wiederfinden.

Das Album „Post Traumatic“ ist glattproduzierter Pop-Rap, mit mehr Mut zum Elektronischen und viel Pathos, bis hin zur völligen Überschreitung der Kitschgrenze und sehr vielen Gesangseinlagen, die an Bennington erinnern, so unter anderem bei „Lift Off“, bei dem Chino Moreno von den Deftones übernimmt.

Offizielle Webseite

Titel: 01.Place To Start, 02.Over Again, 03.Watching As I Fall, 04.Nothing Makes Sense Anymore, 05.About You (feat. blackbear), 06.Brooding (Instrumental), 07.Promises I Can’t Keep, 08.Crossing A Line, 09.Hold It Together, 10.Ghosts, 11.Make It Up As I Go (feat. K.Flay), 12.Lift Off (feat. Chino Moreno and Machine Gun Kelly), 13.I.O.U., 14.Running From My Shadow (feat. grandson), 15.World’s On Fire, 16.Can’t Hear You Now

Fotos: Warner Bros.Records

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