Kanye West – Ye

Von am 3. Juni 2018

ALBUM der WOCHE KW 23/2018

Nach turbulenten Wochen um den US-Rapper und seine medialen Auftritte folgt nun der Höhepunkt: das achte Studioalbum „Ye“ von Kanye West ist endlich online. Entgegen der Erwartungen sind die vorab veröffentlichten Singles „Lift Yourself“ und „Ye vs. The People“ mit T.I. nicht auf dem Album enthalten. Dafür erwartet den Hörer eine musikalische Achterbahnfahrt mit einem Kanye Omari West in Höchstform.

Auf dem aus (leider nur) 7 Tracks bestehenden Album nimmt er sogar noch weniger ein Blatt vor den Mund als üblich und setzt sich textlich ungeschönt mit seiner eigenen psychischen Verfassung auseinander. Dabei werden zwar auch kontroverse Aussagen wiederholt, diese werden gleichzeitig aber auch so kreativ gebrochen, dass sie im gesamten Kontext des Albums Sinn machen. Kanye West hat sich wieder einmal übertroffen — und es sollte ein weiterer Sockel im Regal der Rap-Klassiker freigeräumt werden.

Die radikale Selbstentblößung in „Ye“ ist auch eine künstlerische Strategie. Gerade im Musikgenre Hip-Hop spielen Rapper traditionell mit der Uneindeutigkeit ihrer Sprecherposition. Alles Gesagte soll total authentisch sein, dem echten Leben abgeschrieben, je härter und direkter, umso besser. „I hate being Bi-Polar it’s awesome“ – „Ich hasse es, bipolar zu sein, es ist großartig“ steht handschriftlich hingekritzelt auf dem Cover von Kanye Wests neuem Album „Ye“. Offensiver lässt sich mit der psychischen Erkrankung kaum umgehen, unter der der Rapper offenbar leidet; er will sie aber eben nicht als Leiden verstanden wissen, denn sie sei ja großartig. Seine bipolare Störung sei keine Behinderung, rappt Kanye West, sondern seine „superpower“, seine „Superheldenkraft“.

West rappt über Mordfantasien, die er einer Person gegenüber heimlich gehegt hat, und auch über eigene Suizidgedanken. Dabei liebe er sich selbst doch noch viel mehr als die Person, die er insgeheim töten wollte, heißt es im Song „I Thought About Killing You“. Ist Kanye West wirklich krank? Will er sein Publikum verunsichern? Widerfährt ihm das alles wirklich? Oder ist das alles nur Kunst? Solange diese Fragen gestellt werden, ist Kanye West sicher vor allem eins: Interessant!

Manche Songtexte sind aber auch einfach nur abstoßend, wenn West über mögliche sexuelle Übergriffe bis hin zur Vergewaltigung rappt und es so aussehen lässt, als seien Berichte mutmaßlicher Opfer sexualisierter Gewalt eine neue Frauensportart. In diesem Genre scheinen derart harte Texte wohl kein Problem zu sein. Nicht zuletzt muss sich Kanye West aber auch der Kritik aussetzen, wenn es zum Beispiel um seine Sympathie gegenüber US-Präsident Trump geht. Die Fans fragen sich dann schon, wo der Kanye West geblieben ist, der sich über Polizeigewalt gegenüber Schwarzen aufgeregt, und gegen Rassismus gekämpft hat?

Offizielle Webseite

Titel: 01.I Thought About Killing You, 02.Yikes, 03.All Mine, 04.Wouldn’t Leave, 05.No Mistakes, 06.Ghost Town, 07.Violent Crimes,

Fotos: Universal Music

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