Arcade Fire – Everything Now

Von am 13. August 2017

ALBUM der WOCHE KW 33/2017

Der texanische Gitarrist Win Butler traf im Jahr 2000, vom mäßigen Erfolg seines Bandprojekts Arcade Fire enttäuscht, in Montreal, auf die Multi-Intrumentalistin Régine Chassagne. Neben der Liebe und der späteren Hochzeit der beiden wächst auch der Wunsch eine neue Band zu formen. Diese sollte wieder den Namen Arcade Fire tragen. Aus der ungezwungenen Band-Idee der zwei Musikbegeisterten wuchs nach und nach eine fünfköpfige Formation, die sich im September des Jahres 2003 an die Aufnahmen für ihr erstes Album machte. Nur Wins kleiner Bruder William, der zwischenzeitlich nach Montreal kam um den Platz für Synthesizer und Percussion einzunehmen, musste nach Texas zurückkehren. Er war noch schulpflichtig, weshalb er zwar nicht an den Aufnahmen beteiligt war, jedoch weiterhin Teil der Band blieb.

Die Spannung, die aus den unterschiedlichen Hintergründen der Musiker erwuchs, prägte den experimentellen Sound des Erstlings „Funeral“. Rohe Gitarrenriffs, zarte Geigen, Klavier und Glockenspiel durchzogen langsam-melancholische sowie epische und fröhliche Songs. Der erdig-experimentelle Ansatz der Band, verfeinert mit Streichern, Xylophon oder Akkordeon, wurde zu einem Paradigma der kanadischen Indie-Szene.

Abgesehen von den fünf Kernmitgliedern erschienen auf dem Debütalbum einige befreundete Musiker, um für die nötige Klangfülle zu sorgen. Die Geigerin Sarah Neufeld ist seither heute noch bei Konzerten ebenfalls fester Bestandteil der Band. Mit Owen Pallett gesellte sich ein zweiter Violinist hinzu. Ebenfalls ein festes Zuhause fand Schlagzeuger Howard Bilerman, den allerdings schon 2005 Jeremy Gara ersetzte. Dass das Konzept folkig-verschrobenen Indie-Rocks nach allen Seiten offen ist, zeigten Arcade Fire auch im 2007 erschienen Nachfolger „Neon Bible“. Die Band klang kompakter, ohne dabei an Ideenlosigkeit zu leiden. So zierte beispielsweise eine Kirchenorgel das Stück „Intervention“. Das passende Umfeld lieferte ihre „Petite Église“ jedenfalls: Für die Aufnahmen zum Album, verwandelten die Kanadier eine alte Kirche in ein Tonstudio.

Eigentlich haben die Musiker ihren späteren Erfolg David Bowie zu verdanken. Er war es der im Jahr 2005 als Fürsprecher für Arcade Fire den Weg ebnete.

Bowie knüpfte nämlich damals an einen seiner seltenen Auftritte die Bedingung, mit „seiner Neuentdeckung“ Arcade Fire auf die Bühne zu dürfen. Auf einer Charityveranstaltung während der New York Fashion Week für die Opfer von Hurrikan Katrina spielten sie dann gemeinsam „Wake Up“ von Arcade Fires Debütalbum „Funeral“ (2004) sowie die Bowie-Klassiker „Life On Mars?“ und „Five Years“. Doch nicht nur Bowie fühlte sich sofort von dem Sound der Kanadier angezogen: Auch U2 und Chris Martin von Coldplay erklärten sich öffentlich zu Fans. Arcade Fires folkiger Indie-Rock mit einem bis dato ungewöhnlichen Mix musikalischer Einflüsse von Klassik bis Artrock traf damit den Nerv der Nullerjahre wie kaum eine andere Gruppe.

Arcade Fire sind inzwischen im Olymp der Stadionbands angekommen. Doch sie versuchen diesen Status immer wieder zu unterwandern: Nach Bowies Tod organisierten sie via Facebook einen Gedenkmarsch für ihren Freund in der weltbekannten Musikmetropole New Orleans. Tausende Menschen kamen und feierten mit Arcade Fire, die die Parade durch die Stadt führten und gemeinsam mit der „Preservation Hall Jazz Band“ Bowie-Songs spielten.

Jetzt erschien das fünfte Studioalbum von Arcade Fire „Everything Now“. Es scheint, als würde Bowie noch aus dem Himmel ein Auge auf „seine Entdeckung“ haben.

Offizielle Webseite

Titel:

01. Everything Now (Continued), 02. Everything Now, 03. Signs Of Life, 04. Creature Comfort, 05. Peter Pan, 06. Chemistry, 07. Infinite Content, 08. Infinite Content, 09. Electric Blue, 10. Good God Damn, 11. Put Your Money On Me, 12. We Don’t Deserve Love, 13. Everything Now (Continued)

Fotos: Rough Trade Records

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